Guadeloupe

 

Das hat sich Maria anders vorgestellt. Nein, Nachtfahrten wären wohl nicht ihr Ding. Dabei geht es bis Martinique mit bis 27 Knoten nicht zu, wie im Dunklen in der Achterbahn, so wie teilweise während unserer Atlantiküberquerung. Zwischen den Inseln zu segeln ist recht abwechslungsreich: drastische Winddreher, Abdeckungen und Düseneffekte. Und statt fliegender Fische gibt’s bei Welle schon mal eine Packung Seegras.

 

 

 

Gegen Vormittag laufen wir in den Hafen in Le Marin auf Martinique ein. Angekommen in der EU. Ein wenig Südfrankreich in der Karibik. Wir genießen die französische Küche und die vierspurige Autobahn, die unseren Mietwagen kreuz und quer über die Insel leitet. Wir sehen viel Vertrautes. Landwirtschaft mit weißen Kühen, angelegte Felder, hier mit Bananen und Zuckerrohr. Die heutige Hauptstadt Fort de France erinnert uns an Havanna, nur die passenden Autos fehlen. Anders ist es mit der früheren Hauptstadt St. Pierre. Für uns ein bedrückender Ort. Sind hier vor rund 110 Jahren 30 000 Menschen beim Vulkanausbruch umgekommen, die Ruinen stehen immer noch und dazu ein grauer Lavasandstrand… An der zerstörten Kirche bauen sie irgendwie seitdem. Nicht nur Flughäfen dauern lange, es gibt Hoffnung.

 

 

 

Als wir nach drei Tagen auch mit der Magneta in Richtung St. Pierre starten, hat inzwischen ein Boot mit dem Heimatort „Berlin-Kreuzberg“ neben uns festgemacht. Es ist schon lustig, wenn an scheinbar abgelegenen Orten Landsleute auftauchen. Unser Alleinsegler Thomas, der uns bis Spanien begleitete, hatte als bis dahin einziges Boot „Berlin“ hinten dran. Nach St. Pierre verlassen wir auch wieder Frankreich und die EU – außerdem aber auch die „Windward Islands“, die Inseln im Winde oder einfach Luvinseln. Dominica ist die erste „Leeward“ – Insel. Die Einteilung erfolgt durch den Passatwind, der uns, wie auch Kolumbus über den großen Teich hierher brachte. Kolumbus wäre übrigens durchaus von der Geschwindigkeit her ARC – wettbewerbsfähig gewesen, er brauchte vom Festland 21 Tage und segelte bis 8 Knoten!

 

 

 

Dominica haben wir für uns als sehr zwiespältig erlebt. Die Lieblingsinsel der Naturfreunde offenbarte sich als ein Gemisch zwischen Hurrikanschäden, Verwahrlosung und Müll. Also beide Inseln, auf denen die Flüche der Karibik gedreht wurden – Dominica und St. Vincent – erweisen sich auf ihre Art als kompliziert für Touristen. Die Natur wird ihre Hurrikanschäden auf jeden Fall schneller vergessen machen als die Menschen. Die Nächte in der Bucht von Portsmouth waren recht laut, weil sich die Waldbewohner eine Menge zu erzählen hatten.

 

 

 

Der Weg von Dominica wieder in die EU zurück beträgt im Süden nur 30 sm. Das Areal der Iles les Saintes bildet mit der schmetterlingsförmigen Insel Guadeloupe einen Hotspot für Segler aus aller Welt. Es herrscht ein starker Fährverkehr. Die kleine Inselhauptstadt Bourg ist ein süßes kleines Städtchen, voll mit Restaurants und kleinen Geschäften. Wir schalten um in den Urlaubsmodus und freuen uns an Eis und französischer Küche. Die anderen kleinen Inseln mit ankernden Booten scheinen zum Greifen nahe. Fast nach Sicht segeln wir nach Pointe a Pitre, der größten Stadt des Areals. Hier auf Guadeloupe werden wir es wohl noch eine Weile aushalten. Guadeloupe ist für alle Segelinteressierte eine besondere Destination. Hier endet die ROUTE DU RHUM, welche nur alle 4 Jahre von Saint Malo aus gestartet wird. Gewinner im 40igsten Jahr 2018: Francis Joyon, 7d,14h!

 

 

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